
Meine Identität kennen
Wie siehst du dich selbst? Hast du manchmal mit Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen oder meinst anderen etwas beweisen zu müssen? Egal wie du selbst über dich denkst – Gott sieht in dir sein geliebtes Kind, das er bedingungslos und unbegrenzt liebt. In seinen Augen bist du einzigartig und gewollt. Die spannende Frage ist, wie diese Perspektive Gottes auf dich dein eigenes Selbstverständnis und deine Identität prägen kann.
Reflektieren
- Wie siehst du dich selbst?
- Was ist dein Idealbild?
- Vergleichst du dich oft mit anderen?
- Welche Schwächen hast du? Kannst du deine Schwächen und Begrenzungen annehmen?
- Weißt du dich von Gott geliebt?
Lesen
Wie sieht Gott dich? Lies dir folgende Bibelstellen bewusst durch und lass sie auf dich wirken.
- Du bist gewollt: Psalm 139,13f
- Du bist gekrönt: Psalm 8,6+7
- Du bist angenommen: Jesaja 43,1
- Gott kennt deine Bedürfnisse und will dich versorgen: Psalm 23,1-3
- Du bist geliebt: Zefanja 3,17
- Gott hält dich: Jesaja 41,10
- Du bist gesegnet: Epheser 1,3
Welcher dieser Verse spricht dich besonders an? Warum?
Verankern
Wie könntest du dir in deinem Alltag immer wieder vor Augen führen, wie Gott dich sieht?
Schreibe eine für dich bedeutende Aussage Gottes über dich auf einen Zettel und hänge ihn an einen Ort, an dem du im Alltag oft vorbeikommst.
Meine Geschichte reflektieren
Was hat dich geprägt? Wo hat Gott in deinem bisherigen Leben gehandelt? Welche der Erlebnisse in der Vergangenheit haben dich aber auch verletzt? In welchen Wunden möchte Gott dir begegnen? Mich mit meiner bisherigen Geschichte auseinanderzusetzen kann ein wichtiger Schlüssel sein auf dem Weg Befreiung und Heilung zu erleben.
Einen Zeitstrahl erstellen
Schnappe dir ein A3-Blatt, einen Stift und einige verschiedenfarbige Notizzettel, oder besser noch Post-Its.
- Trage die Menschen, Ereignisse und Umstände zusammen, die dich in deiner Vergangenheit entscheidend beeinflusst und geprägt haben.
Nimm dir Zettel in einer neutralen Farbe und fange an, die prägenden Menschen, Ereignisse und Umstände deines Lebens bis zum jetzigen Zeitpunkt aufzuschreiben! Verwende für jede/s einen Zettel. Notiere sowohl die guten als auch die schwierigen Momente.
Schlüsselpersonen können z. B. Freunde, Familienmitglieder, dein Ehepartner, Klassenkameraden, Arbeitskollegen, Lehrer, Jugendmitarbeiter etc. sein.
Prägende Erlebnisse können z. B. besondere Projekte, Ausbildungsabschlüsse, Auszeichnungen, Vorfälle in deiner Familie oder auch globale Ereignisse, die dich beeinflusst haben, sein.
Bedeutsame Umstände können z. B. die Orte sein, an denen du gelebt hast, frühe Kindheitserinnerungen, Schulen, Tätigkeiten und Organisationen, Umzüge, Urlaube etc.
- Ordne die Ereignisse
Bring deine Notizzettel in eine zeitliche Reihenfolge. Ordne sie chronologisch, indem du in der linken oberen Ecke beginnst und dann deine Zettel untereinander klebst, bis du am unteren Rand ankommst. Dann setzt du das gleiche in der nächsten Spalte fort (dabei immer die oberste und unterste Reihe freilassen), bis alle deine Zettel in fortlaufenden Spalten zeitlich hintereinander angeordnet sind.
- Nenne die Dinge beim Namen.
Wenn du alle Zettel in ihre zeitliche Reihenfolge gebracht hast, nimm dir einen Moment und schau dir die Ereignisse einmal an. Welche Begebenheiten waren schmerzvoll für dich? Unter welchen Beziehungen hast du vielleicht gelitten? Übertrage diese Ereignisse jeweils auf einen roten Notizzettel und klebe ihn anstelle des bisherigen auf das Blatt.
- Teile deinen Zeitstrahl in Kapitel ein.
Überlege dir beim Anschauen deines Blattes, welche Phasen oder „Kapitel“ du ausmachen kannst. Versuche, deinen Zeitstrahl in mindestens zwei und möglichst nicht mehr als fünf solcher Kapitel zu unterteilen. Dazu kannst du die Notizzettel hin- und herschieben, damit die Kapitel sichtbar werden. Nimm dir für jedes Kapitel einen grünen Notizzettel und schreibe eine treffende Überschrift für diese Phase deines Lebens darauf.
- Identifiziere Wendepunkte und entscheidende Lektionen deines Lebens.
Ein Wendepunkt ist ein Ereignis, eine Erfahrung oder eine Begegnung, die Dein Leben verändert hat. Ein solcher Wendepunkt war zum Beispiel, als dein Leben sich zum Besseren oder zum Schlechteren gewendet hat, jemand auf bedeutende Weise in dein Leben eingegriffen hat, du eine Entscheidung von großer Tragweite getroffen hast. Wendepunkte zeichnen sich dadurch aus, dass dein Leben nach diesem Ereignis nicht mehr dasselbe ist. Versuche drei bis sechs solcher Wendepunkte zu identifizieren. Schreibe ein deutliches »W« oben auf diesen Zettel. Überlege dir, was Gott dir durch den jeweiligen Wendepunkt gezeigt hat / welche Fähigkeiten und Erkenntnisse du aus der jeweiligen Situation gewonnen hast und notiere dies jeweils auf einem blauen Zettel, den du unter die entsprechenden Wendepunkte oder Kapitel klebst.
Reflektieren
Reflektiere über diesen Zeitstrahl und frage Gott:
- Was sollte ich an den Wendepunkten lernen? Was habe ich gelernt?
- Wie haben die Ereignisse des Zeitstrahls meinen Charakter geformt?
- Welche Fähigkeiten und Erkenntnisse habe ich durch diese Erfahrungen gewonnen?
- Jemand hat einmal gesagt: „Es braucht eine versöhnte Vergangenheit und eine von Hoffnung geprägte Zukunft als Basis für ein erfülltes Heute.“ Bist du mit deiner Vergangenheit versöhnt? Kannst du deine Geschichte bewältigen und annehmen? Falls nein: Welchen konkreten Schritt könntest du gehen, um dich mit deiner Vergangenheit auszusöhnen?
- Was ist mir während dieser Übung klar geworden? Was sind Kernpunkte meiner Berufung, die Gott in meiner Biographie angelegt hat?
Vertiefen
Eine tolle Möglichkeit, dich tiefer mit deiner bisherigen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen, ist der „My Life-Workshop“, den wir immer wieder anbieten. Wann er angeboten wird, findest du unter „Kleingruppen“.
Verletzlichkeit wagen
Verletzlichkeit zu wagen bedeutet, mich anderen zu zeigen wie ich bin. Meine Masken und seelischen Mauern abzulegen und anderen einen Einblick in mein Herz zu geben.
Als Jesus Mensch geworden ist, hat Gott sich verletzlich gemacht: Er hat sich eingelassen auf die Zerbrechlichkeit dieser Welt, um uns zu zeigen wie er ist. Damit hat er uns ein Vorbild gegeben, an dem wir uns orientieren dürfen.
Paulus schreibt: „Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.“ (2. Korinther 4,7, NGÜ)
Mich Menschen, denen ich vertraue, gegenüber verletzlich zu zeigen erfordert Mut und innere Stärke. Doch es lohnt sich, weil Verletzlichkeit oft ein Schlüssel zu echter Verbundenheit mit anderen ist. Und ein Schlüssel für das eigene Wachstum.
Akzeptieren
Vielleicht ist dein nächster Schritt im Experimentierraum Verletzlichkeit, deine Schwächen und Begrenzungen anzunehmen. Sie zu akzeptieren als ein Teil deines Lebens. Aufzuhören aus einem Gefühl des Nicht-Genug-seins um Liebe und Verbundenheit zu kämpfen. Mich zu meinen Fehlern und dem Versagen in der Vergangenheit zu stellen. Und ein inneres Ja dazu zu finden, dass ich aus Gottes Gnade bin, was ich bin.
Reden
Vielleicht ist dein nächster Schritt auch, in einem geschützten Raum über deine Gefühle zu reden. Deinem Freund, deinem Ehepartner oder deiner Kleingruppe einmal offen zu sagen, was dich richtig traurig macht, worüber du dich wahnsinnig freust oder wovor du Angst hast. Vielleicht erzählst du in der nächsten Woche ja mal einer vertrauten Person von den 3 größten Ängsten in deinem Leben und schaust, was das mit dir macht.
Ans Licht bringen
Vielleicht ist dein nächster Schritt im Experimentierraum Verletzlichkeit auch eine deiner Gefährdungen ans Licht zu bringen. Gefährdungen sind mehr als Fehler und Grenzen. Sie haben zu tun mit den ernsthaften Formen unserer Unreife. Sie gehören zu den problematischen Zügen unserer Persönlichkeit. Es geht um unverarbeitete Enttäuschungen, Verbitterungen, die sich in unserem Herzen festgesetzt haben, um schlechte Gewohnheit.
Auch Christen werden wir nicht alle Gefährdungen schnell los. Aber eins können und sollten wir mit ihnen tun: Damit nicht alleine bleiben. Ihnen nicht erlauben, dass sie uns bestimmen. Sie in die Schranken weisen – denn sie sind wie hungrige Raubtiere, die unsere Brauchbarkeit für Gott zerstören wollen. Deshalb gehören sie ins Licht. Im Gespräch mit einem Freund, Mentor oder Seelsorger. Nur was offengelegt ist, verliert seine destruktive Kraft. Wem könntest du dich mit deinen Gefährdungen anvertrauen?
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Literatur-Empfehlungen
Ein neues Herz will ich euch geben
Team.F bietet schon seit vielen Jahren das hilfreiche Seminar „Versöhnt leben – Beziehungen klären“ an. Christa und Dirk Lüling haben ein wertvolles Buch geschrieben, das einige Inhalte des Seminars, wie die Aufarbeitung der eigenen Geschichte oder das Erkennen bitterer Wurzeln, aufgreift.
Bibliografische Angaben: Ein neues Herz will ich euch geben: Gottes Verheißung und unser Beitrag, Asaph Verlag, Dirk und Christa Lüling, ISBN 10: 3940188417
Das Paulus-Prinzip: Warum Schwäche ein Gewinn sein kann
Pete Scazerro musste als Pastor schmerzhaft erleben, welche Folgen es haben kann, wenn man sich dem eigenen inneren Leben nicht stellt. Seitdem schreibt er wertvolle Bücher darüber, wie wir unser emotionales Seelenleben in unser Glaubens- und Gemeindeleben integrieren können.
Bibliografische Angaben: Das Paulus-Prinzip: Warum Schwäche ein Gewinn sein kann, Peter Scazzero, Francke-Buch, ISBN: 3868275371
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